Tag Archives: Jugendbildung

Von eigenen und anderen Karten

Seit der Veröffentlichung des Handbuchs Kollektives Kritisches Kartieren stellt kollektiv orangotango Material zum selber Kartieren in euren Stadtteilen, Jugendclubs, Uniseminaren, Parkbänken usw. zur Verfügung. Eine Einführung in Kartenkritik und kritisches Karten-machen, ohne anstrengende Lektüre oder lästigem Frontalvortrag, bietet jetzt das Video-Tutorial Von eigenen und anderen Karten – Zeichnungen von Jonathan Wright, gesprochen von Tonio Schneider.

Testlauf für die Schulen von morgen

Am 13. und 14. Juni 2018 fand am Haus der Kulturen der Welt HKW in Berlin ein Testlauf für die Schulen der Zukunft statt. In einem experimentellen Stundenplan erprobten die Teilnehmenden von 21 Schulprojekten, die im Rahmen von Schools of Tomorrow stattgefunden hatten, gemeinsam ihren Beitrag zur utopischen Schule von morgen.

kollektiv orangotango begleitete eine Gruppe junger Menschen aus Tübingen, die dort im Projekt Schule ohne Schule Möglichkeiten von Bildung in Gesellschaft erfroscht und erprobt hatte. Ohne Schulkasten, quantifizierte Leistungsabfrage und hierarchische Lehrer-Schüler-Beziehungen, dafür mit Begegnungen unterschiedlischter gesellschaftlicher Gruppen, gemeinsamer kreativer Betätigung und Austausch durch künstlerische Intervention im öffentlichen Raum.

In der experimentellen Schulstunde Schule ohne Schule leiteten Tübinger Jugendliche die Teilnehmenden aus den anderen Schulprojekten darin an, in Diskussion gemeinsame Meinungen zu formulieren und diese künstlerisch auf Stoffbannern festzuhalten. Die so gestalteten Transparente, angebracht im öffentlichen Raum, verliehen ihrem Beitrag zur Diskussion um die Schulen der Zukunft größte Sichtbarkeit und boten so die Grundlage für konstruktive Diskussionen mit Passant*innen, anderen jüngeren und älteren Mitmenschen.

In der Schulstunde Kiez machen – Schule machen wurden Ergebnisse des Projekts Fare Rione – Fare Scuola verarbeitet, das kollektiv orangotango im Januar 2018 in Neapel, Italien durchgeführt hat. Da die beteiligten Schüler*innen aus Neapel nicht nach Berlin kommen konnten, wurde auch dieser Workshop von Tübinger Schüler*innen geleitet. Anhand persönlicher Erfahrungen aus ihren jeweiligen Stadtteilen, bauten die Teilnehmenden einen utopischen Stadtplan, voller kreativer Lernorte, der, auf den Asphalt gezeichnet, zum begehbaren Spielfeld wurde.

Während wir im HKW in Berlin mögliche Formen emanzipatorischer Bildung diskutieren, sind konkrete Realitäten in denen emanzipatorische Bildung bereits gelebt wird in Gefahr. In Neapel ist das Centro Sociale GRIDAS nach über 30 Jahren Stadtteilpolitik und selbstorganisierter Bildung ‚von unten‘ akut von Räumung bedroht. In Granada soll die selbstverwaltete Mensa der Gómez Moreno-Schule an ein kommerzielles Catering-Unternehmen verkauft werden. Aus Solidarität mit diesen befreundeten Realitäten, diskutierten wir diese Fälle im Workshop am HKW. Daraus entstanden Banner mit den Forderungen „Il GRIDAS non si tocca“ und „No me toques la olla!!!“, die die Schüler*innen bis an die Berliner Mauer trugen.

L’Adolescenza delle Città

Im Projekt L’Adolescenza delle Città erforschen Menschen verschiedenen Alters, mit und ohne Migrationserfahrung, die selbst in unterschiedlichen Stadtteilen leben, Mailänder Peripherien. Die einjährige Aktionsforschung wurde vom Arbeitsbereich Città e Cittadinanza der Fondazione Giangiacomo Feltrinelli initiert. Städtische Peripherien sollen im Projekt als Laboratorien neuer Formen der gemeinschaftlichen Raumproduktion untersucht werden. Als solche lassen sich aus der Analyse urbaner Transformationsprozesse und existierender Alltagspraktiken in Peripherien Forderungen für progressiven Wandel und Visionen für mögliche zukünftigen Städte ableiten.

Am 19. Mai 2018 begleitete kollektiv orangotango einen kollektiven Kartierungsprozess, in dem Teilnehmende des Projekts ihre Stadtteile kartierten. Neben subjektiven Alltagserfahrungen, Sinneswahrnehmungen und Emotionen, wurden dabei auch fehlende Räume und Ideen für mögliche Verbesserungen kartiert. Die entstandene Karte bildet die Grundlage für die nächsten Schritte der Aktionsforschung, in der die Teilnehmenden ins Territorium – in die Stadtteile Via Padova, Adriano, Corvetto und Chiaravalle – gehen werden, um dort Videoethnographien durchzuführen.

Forschungswerkstatt Kritische Geographie 2018, Frankfurt am Main

Als die Forschungswerkstatt Kritische Geographie 2008 in Frankfurt stattfand, war kollektiv orangotango dabei. Zum zehnjährigen Jubiläum, das vom 14. bis 17. Juni wiederum in Frankfurt am Main begangen wird, ist kollektiv orangotango an zwei Sessions beteiligt:
In der Diskussion Kritisches Kartieren (Freitag, 14.30 bis 16.30, K1) beteiligen wir uns mit dem Beitrag Die Karte zerreißen – Karten bauen: Kartieren alltagsweltlicher Geographien mit jungen Menschen, in dem wir Erfahrungen aus der Kartierungsprojekten mit jungen Menschen in Berlin, Neapel und Tübingen teilen.
In die Abendveranstaltung Kritische Wissenschaft und soziale Bewegung (Freitag, 20.00 bis 21.30) im Café Exzess wird Severin Halder Erkenntnisse aus der Aktionsforschung im Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld einbringen.
Hier geh’s zum Programm der Forschungswerkstatt.

sOs – Schule OHNE Schule

sOs – Schule OHNE Schule heißt für uns Lernen in Gesellschaft. Das bedeutet das Schulgebäude zu verlassen: Raus aus dem Klassenkasten, auf Straßen, in Parks, auf Plätze. Statt Lehrplan und Autoritätspersonen haben wir uns mit selbstorganisierten Diskussionen, Entscheidungen und Aktionen beschäftigt. Lernen in Gesellschaft bedeutet auch Zusammenarbeit in heterogenen (Lern-)Gruppen. Gemeinsam mit Schüler*innen aus der 5. bis 9. Klasse, der Gemeinschaftsschule West und des Uhland-Gymnasium sind wir im März und April 2018 durch Tübingen gezogen.

Das Projekt sOs bestand aus einer Aktionsforschung in drei Teilen: Der Vorbereitungs-, Forschungs- und Aktionsphase. In der Vorbereitungsphase lernten wir uns untereinander und Möglichkeiten der selbstorganisierten Gesprächsführung kennen. Die Forschungsphase bestand aus Befragungen im öffentlichen Raum, subjektiven Kartierungen zu Lernorten in Tübingen sowie der Auseinandersetzung mit Perspektiven von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen: Wir diskutierten bei Kaffee und Kuchen in einer Senior*innenresidenz, wir unterhielten uns beim Grillen im Asylzentrum, wir hatten ein Plenum in einem autonomen Zentrum und tauschten uns beim Frühstück im Arbeitslosentreff aus. Die gesammelten Erfahrungen nutzten wir für eine Reflexion über Möglichkeiten außerschulischer (Selbst-)Bildung. Diese Erkenntnisse übertrugen wir in der Aktionsphase als Slogans auf Banner sowie in das Wandbild “aus der Reihe tanzen” am Schlossbergtunneleingang, auf der Achse zwischen Gemeinschaftsschule-West und Uhland-Gymnasium. Dort organisierten wir am letzten Projekttag ein Festival im öffentlichen Raum, um Ergebnisse der Projekts zu teilen, mit Passant*innen ins Gespräch zu kommen und die Klassen der beteiligten Schulen zu befreien.

Kiez machen, Schule machen

Im Rahmen von ‘Schools of Tomorrow’ fördert das HKW – Haus der Kulturen der Welt – Kunstprojekte, in denen junge Menschen mögliche “Schulen von morgen” entwerfen und Schule dabei auch als Labor zukünftiger Gesellschaft experimentieren. In diesem Rahmen führt kollektiv orangotango im Januar-Februar 2018 ein dreiwöchiges Kunstprojekt mit Schüler*innen im Neapolitanischen Stadtteil Barra durch.

Was ist Schule ohne sozialen Kontext, den die Schüler*innen alltäglich in die Schule einbringen? Wie kann sich Schule in diesen lokalen Kontext einbringen?

In Barra, in der Peripherie Neapels, sind junge Menschen in ein vitales soziales Netzwerk eingebunden. Reich an Wissen, das sich im Lehrplan kaum wiederfindet. Mit Methoden der situated pedagogy werden wir lokale Ressourcen – kulturelle, sprachliche und alltagspraktische – erkunden, Akteure in Schule einladen und die Schule gemeinsam zu einem Ort des sozialen Lebens zu machen. Schule als Ort der Interaktion, des Austauschs vielfältiger Wissensformen in der lokalen learning community.

Kartierungen von wissenden Subjekten und interaktiven Lernerfahrungen verleihen lokalen
Ressourcen Sichtbarkeit und machen diese abrufbar. Repräsentation von Wissen mittels vielfältiger künstlerischer Techniken, bildet die formelle Entsprechung der inhaltlichen Vielfalt jenseits einfallslos-orthodoxer Wissensvermittlung.

Die Schule von morgen bringt den Kiez in die Schule und die Schule in den Kiez – „Fare Rione, Fare Scuola.“

Schools of Tomorrow – Schule ohne Schule

Im Rahmen von ‘Schools of Tomorrow’ fördert das HKW – Haus der Kulturen der Welt – Kunstprojekte, in denen junge Menschen mögliche “Schulen von morgen” entwerfen und Schule dabei auch als Labor zukünftiger Gesellschaft experimentieren. In diesem Rahmen führt kollektiv orangotango im April 2018 ein einwöchiges Kunstprojekt mit Schüler*innen in Tübingen durch.

Gemeinsam mit einer gemischten Gruppe von Schüler*Innen des Uhland-Gymnasiums und der Gemeinschaftsschule-West soll erarbeitet, erforscht und ausprobiert werden, was, wie, wann, wo und warum außerhalb der Schule gelernt wird. Auf der geographischen Achse, die die beiden Schulen verbindet, werden wir gemeinsam einen Raum eröffnen, in dem wir Schule und Lernen aufgrund unserer eigenen Erfahrungen hinterfragen und neu denken.
Ferner wird über Begegnungen mit Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Hintergründe der Zusammenhang zwischen Leben und Lernen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Als Zugang werden kreative Methoden und künstlerische Strategien genutzt. Ausgehend von den Überlegungen und praktischen Erfahrungen sollen so gemeinsam neue Lernkonzepte entworfen und erprobt werden, die eine ‘Schule ohne Schule’ ermöglichen.